|
"Quo Vadis Märkte"
April 2010
Liebe Leserin, lieber Leser,
aktuell halten Sie ein „up-date“ unserer Einschätzung zu den von uns beobachteten internationalen Kapitalmärkten vom Jahreswechsel
2009/2010 in ihren Händen. um die Informationen für Sie überschaubar zu halten, nehmen wir nachstehend nur zu den Märkten Stellung,
die wir als besonders interessant und aussichtsreich erachten.
Viel Vergnügen und Inspiration bei der nachfolgenden Lektüre.
Kommentar zur aktuellen Lage an den internationalen Kapitalmärkten:
„Wirtschaftliche Erholung in Asien und Europa“ contra „Gefahr von Staatsbankrotten“?
Der IWF berichtete, dass „Die globale Konjunkturerholung kräftiger in
Gang gekommen ist als erwartet. In den ersten zwei Monaten des Jahres
2010 festigte sich das Wirtschaftswachstum und weitete sich auch
auf die Industrieländer aus“. Diese Fakten bestätigten die Entwicklung
aus der zweiten Jahreshälfte 2009.
Die außergewöhnlichen fi nanz- und geldpolitischen Stimulationsmaßnahmen
der Regierungen aus aller Welt waren und sind weiterhin
die wichtigsten Treiber dieser Erholung.
Die Schattenseite dieser Entwicklung ist die Defi zitfi nanzierung und
der Umfang der Neuemissionen von Staatsanleihen, mit denen die
Ankurbelung der Wirtschaft bezahlt wird.
An dieser Stelle muss natürlich die Problematik der Staatsverschuldung
Griechenlands erwähnt werden. Die Besorgnis über die Länderrisiken
erstreckt sich derzeit aber auch auf Staaten wie Großbritannien,
Spanien und etliche andere.
Der größte Kreditnehmer in der Geschichte der Menschheit, die
USA, stehen leider ebenfalls auf der Überschuldungsliste. Bemerkenswert
ist dabei, dass das „Federal Budget“ per Februar ein Defi zit in
Höhe von –220,9 Mrd. USD nach –193,8 Med. USD im Vorjahresmonat
lieferte. Mit anderen Worten hat sich die Defi zitsituation trotz
der konjunkturellen globalen Erholung in der Weltwirtschaft innerhalb
der USA deutlich verschärft. Die volkswirtschaftlichen Daten aus den
USA in den vergangenen Wochen und Monaten verdeutlichen, dass die USA weiterhin am fi skalischen Defi zitopf und an der Zinssubventionierung
durch die eigene Notenbank FED hängen. Die Aussagen von
Notenbankchef Bernanke waren mithin auch eindeutig. Eine Erhöhung
der Zinssätze steht aktuell nicht auf der Agenda.
Der wöchentliche Blick auf die Arbeitslosenstatistik der USA ist ernüchternd.
Von einer Wende zum „Guten“ kann hier leider nicht gesprochen
werden.
Das US-Finanzsystem leidet unter zu vielen Interessenkonfl ikten. Jim Rogers, der renommierteste Rohstoffkenner der Welt, sagte auf einem Vortrag im Februar: „Die USA werden ihre Schulden niemals zurückbezahlen
können. Das Land geht den Weg Großbritanniens. Im ersten
Drittel des vergangenen Jahrhunderts war Großbritannien das reichste
Land der Erde. Innerhalb von 30 Jahren war das Land bankrott und
der internationale Währungsfonds musste es fi nanziell unterstützen. In
den 70er Jahren war das Land nicht einmal mehr fähig, Staatsobligationen
zu platzieren. Großbritannien ist nicht aufgrund der Reformen von
Margaret Thatcher, sondern nur aufgrund der großen Ölfunde in der
Nordsee, in die Gruppe der Industrienationen zurückgekehrt“.
Würden wir heute Frau Merkel das größte Ölfeld der Welt schenken,
dann werden auch wir Deutsche eine gute Zeit mit ihr haben.
In den vergangenen Wochen wurden wir in den vielen Gesprächen
mit unseren Kunden und Interessenten sehr oft gefragt, ob unsere Kritik
an den Politikern und den Staatsverwaltungen nicht überzogen sei.
Wir meinen nein. Staatsverwaltungen sollen Hilfsmittel der Bevölkerung
für eine strukturierte Organisation sein. In dieser Aufgabe werden
Verwaltungen nicht immer allen gerecht sein können. Die Erfahrung
der letzten (mindestens) zwanzig Jahre zeigt aber, dass die Interessen
der Staatsverwaltungen in den Industrienationen immer konträrer zu
denen ihrer Bürger stehen. Das Ergebnis ist eine steigende Politikverdrossenheit.
Es sollte dabei allen klar sein, dass die Schmusezeit des
Wohlfahrtstaates vorbei ist. Das Interesse der Politiker besteht zwangsläufig
darin, a) legal an Ihre Ersparnisse zu gelangen und b) das ausufernde
Bürokratiesystem am Leben zu erhalten. Das Ausmaß dieser
Entwicklung ist bereits viel weiter fortgeschritten, als Sie und wir das
im täglichen Leben bemerken. So wird die Diskrepanz zwischen dem
Wort und der Tat immer öfter als reine Lüge entlarvt.
Ein Beispiel dazu: Die Bank von England sieht in ihrer offiziellen
Stellungnahme keinerlei Gründe für eine inflationäre Entwicklung in
den kommenden Jahren. Doch bereits Mitte 2009 hat man die volle
Anpassung der Pensionen dieser altehrwürdigen Institution an den Lebenshaltungskostenindex
beschlossen.
Es ist wie bei einem Zauberer: Sehen Sie nicht auf sein Gesicht,
seinen Mund, nicht auf die reizende Dame, die ihm assistiert: Sehen
Sie auf seine Hände!
Unsere Erwartung für einzelnen Eckdaten bis Jahresende 2010:

Veränderungen:
Lediglich die Spannbreite des US-Dollarkurse haben wir der aktuellen
Gestaltung des Marktpreises angepasst. Wir sehen weiterhin keinen
Grund für einen steigenden Dollarkurs.
Prognose/Meinung Aktienmärkte Europa:
Der Ausbruch der globalen Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise in der
zweiten Jahreshälfte 2008 führten zu einem aggressiven Abbau der
Lagerbestände, Abbau der Beschäftigung und vor allen Dingen zu
einem Einstampfen der Investitionspläne und damit der gesamten Investitionstätigkeit.
Selbst die Wartung des Maschinenparks wurde in
vielen Unternehmen minimiert, um Einsparungspotentiale zu generieren.
Die bereits Mitte 2009 wieder einsetzende Belebung des Auftragseinganges
auf globaler Ebene traf auf extrem niedrige Lagerbestände.
In vielen Schlüsselbranchen ergaben sich bereits Lieferengpässe.
Trotz Belebung der Auftragseingänge sprang die Investitionstätigkeit in
Europa in 2009 nicht an.
Werden die Unternehmen mit Blick auf eine Aufhellung des globalen
konjunkturellen Umfeldes, das ausgehend von den Schwellenländern
zu wachsenden Teilen selbsttragend ist, weiterhin in Lethargie
verharren? Wird man in Europa die Notwendigkeiten angemessener
Wartung, Ersatzinvestitionen und Neuinvestitionen erst mal in der modernen
Wirtschaftsgeschichte unbeachtet lassen? Wir meinen nicht.
In fast allen Wirtschaftsprognosen ist die Neuausrichtung des Investitionsgüterzykluses
bislang so gut wie unberücksichtigt geblieben.
Die Schubkraft aus diesem Bereich sollte für den Zeitraum 2010/2011
in Europa einiges Überraschungspotential bieten und dem Wirtschaftswachstum
wie auch den Aktienmärkten eine Dynamik verleihen, an die
heute kaum jemand denken mag.
Hinzu kommt: Großanleger haben ihre Aktienquote Ende 2008
deutlich heruntergefahren und sind bisher größtenteils nicht wieder eingestiegen.
Die Zinssätze der Renten sind und bleiben unattraktiv.
Fazit:
In Europa bevorzugen wir den Teilmarkt Deutschland.
Positive Überraschungen und eine Erholung des DAX über 7.000
Punkten halten wir für durchaus möglich. Der Aktienmarkt Europa
ist mindestens eine Halteposition.
Prognose/Meinung Aktienmärkte Schwellenländer:
Der überwiegende Teil des globalen Wirtschaftswachstums konzentriert
sich auf die sogenannten Schwellenländer, weil die Industrieländer
mit hoher Arbeitslosigkeit, immensen Staatsschulden und einem
geschwächten Bankensystem zu kämpfen haben.
Das zukünftige Wachstumszentrum wird Asien sein. In Lateinamerika
sehen wir besonders für Brasilien einen nachhaltigen Aufschwung.
In Osteuropa/Russland sind die strukturellen Probleme noch
größer, hier gehen wir von einem im Vergleich etwas schwächeren
Wachstum aus.
Ein wesentlicher Faktor für das Wachstumspotential der Emerging
Markets ist der steigende Binnenkonsum, der mit dem wachsenden
Wohlstand vieler Menschen einhergeht. Allein das boomende China
kurbelt mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern die Nachfrage nach vielen
Industriegütern erheblich an.
Der Ausbau der Infrastruktur ist ein weiterer Megatrend der Schwellenländer.
Neben riesiger Nachfrage nach Straßen, Häfen, Kommunikationseinrichtungen
usw. ist in den sogenannten Schwellenländern
auch das Kapital für diese Maßnahmen ausreichend vorhanden.
Schauen wir nach dem langen Winter auf Deutschlands Straßen, würden
wir uns diese Kapitalausstattung wünschen.
In Asien sind in der letzten Zeit besonders Umweltthemen im Zusammenhang
mit Infrastrukturmaßnahmen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit
gerückt. 16 der 20 Städte mit der weltweit schlimmsten
Luftverschmutzung liegen in China. Indien hat 16 % der Weltbevölkerung
aber nur 4 % der Wasserressourcen. Über 90 % des Abfalls
werden in Asien noch ungeregelt entsorgt. Hier liegen Geschäftsmöglichkeiten,
die die Industrieländer nur in der Wiederaufbauphase nach
dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben.
„Rasanter Aufschwung“ ist die treffende Beschreibung für die
großen Schwellenländer:
Aus europäischer Anlegersicht kommt hinzu, dass die Währungen
der meisten Emerging Markets aufwertungsverdächtig sind.
Fazit:
Die Aktienmärkte der beschriebenen Schwellenländer
bleiben für uns eines der interessantesten Marktsegmente in 2010
und darüber hinaus. Selbstverständlich werden auch hier kurzfristige
Marktschwankungen nicht ausbleiben, daher ist eine Streuung über mehrere Teilmärkte sinnvoll. Das Marktsegment ist/bleibt für
uns „strong buy“.
Prognose/Meinung Rohstoffe/Edelmetalle:
Der fundamentale Preistreiber der Rohstoffe war und ist der gigantische
Rohstoffhunger der Emerging Markets. China und Indien sind die bevölkerungsreichsten
Länder der Welt. Dort leben rund zweieinhalb Milliarden
Menschen, also mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Die
beiden Tigerstaaten sind im Zuge des wachsenden Wohlstandes zu
den größten Rohstoffverbrauchern geworden.
„Die drei wichtigsten Rohstoff-Determinanten sind China, China und
China“, ist ein beliebter Ausspruch bei den Vorträgen von Rohstoffanalysten.
Machen wir Wachstum an einem Beispiel fest: China hat seine
Rohölimporte zwischen 2000 und 2005 mehr als verdreifacht. Dabei
kommt das Land der Mitte nur auf einen Bruchteil des Pro-Kopf-
Verbrauchs anderer Länder wie Japan oder Südkorea. Es gibt noch
reichlich Luft nach oben.
Aber auch andere aufstrebende Staaten wie Thailand und Indonesien
tragen zu diesem Trend bei. Die Rohstoffexperten sind aufgrund
des hohen Bedarfs der Länder in Asien von einer langfristigen Rohstoffhausse überzeugt und rechnen mit einem durchschnittlichen Anstieg
der Rohstoffpreise um 15 % p. a.
Ein weiterer Faktor, der für ein Engagement in diesem Sektor spricht,
ist die Endlichkeit von vielen Ressourcen. Erdöl, Erdgas, Kupfer, Kohle
und viele andere Stoffe werden knapper und sind nur mit erheblich höherem
Aufwand zu fördern. Diese Situation wird die Preise zusätzlich
beflügeln.
Besonders der bisher vernachlässigte Bereich der Agrarrohstoffe
sollte mehr und mehr in den Blickpunkt der Anleger geraten. Der bereits
zitierte Jim Rogers meinte zur Entwicklung im Agrarsektor: „Wenn
die Preise für Agrarrohstoffe nicht steigen, werden wir in absehbarer
Zukunft keine Bauern mehr haben. Und wenn wir keine Bauern mehr
haben, wird kein Land mehr kultiviert und wir werden eine globale
Nahrungsmittelkrise erleben. Es ist gut für die Ernährungssicherheit der Welt, wenn die Preise der Agrarrohstoffe steigen. Und je schneller sie
steigen, desto besser“.
Fazit:
An dem Marktsegment Rohstoffe kommt kein langfristig
orientierter Anleger mit entsprechender Risikostruktur vorbei.
Mit Blick auf die fragwürdige Sicherheit unseres Finanzsystems
erhält eine Anlage in Rohstoffen natürlich noch einen besonderen
Charme. Auch dieses Marktsegment ist/bleibt für uns „strongbuy“.
Eine Anlage in Goldminenfonds empfehlen wir seit mehr als fünf Jahren
und seit gut drei Jahren sagen wir Ihnen, dass auch eine Anlage in
physischem Gold und Silber für gewisse Zeiten durchaus sehr sinnvoll
sein kann.
Zu unserem Erstaunen werden Diskussionen und Planspiele über ein
Auseinanderbrechen der Eurozone, eine Regulierung der Staatsschulden
mittels einer Hyperinflation oder eine mögliche Währungsreform
inzwischen auch in der honorigen Wirtschaftspresse im In- und Ausland
geführt.
Nein, auch wir wünschen uns keines dieser Ereignisse. Allein der
Status Quo der aktuellen Schuldensituation in den Staatshaushalten
wird dazu führen, dass die Edelmetalle von immer mehr Anlegern weiter
stark nachgefragt werden und dass die Kursziele für Gold und
Silber noch sehr viel Luft nach oben haben.
Aber bleiben wir für einen kurzen Augenblick einmal bei den „schlechten Zeiten“. Der Mensch mag grundsätzlich „Unsicherheit“ nicht. Darum schließt er unter anderem in seinem Leben für verhältnismäßig
viel Geld etliche Versicherungen ab. Allerdings ist man nur dann
versichert, wenn die Prämie rechtzeitig gezahlt wurde und so lange,
wie das Versicherungsinstitut existiert oder nicht wegen Sonderrechten
(Krieg usw.) die Leistungen einschränkt oder komplett annulliert.
Eine Versicherung welche viele Anleger NICHT abschließen, ist die
Lebensstandard- oder Vermögensversicherung. Dabei geht es nicht um
Luxus sondern nur um pure existentielle Bedürfnisse.
Betrachten Sie ein Engagement in Gold oder Goldminen doch einmal
unter diesem Aspekt.
Fazit:
Goldminenfonds bleiben unser zentrales Basisinvestment.
Nach unserer Einschätzung schlummert in diesem Bereich in
den kommenden Jahren das größte Wachstumspotential.
Ihr Michael Funke
Disclaimer
Dieser Strategiebericht basiert auf Marktbeobachtungen der tonn
fondsbrokerage ag. Er dient als Information und stellt weder ein Angebot
oder eine Einladung zum Erwerb oder zur Zeichnung eines
Finanzinstruments, eine Anlageberatung oder -empfehlung noch eine
unabhängige Finanzanalyse dar. Der Bericht kann selbstverständlich
eine fachkundige Anlageberatung nicht ersetzen.
Dieser Strategiebericht richtet sich nur an Personen, die ihren dauerhaften
Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben. Er ist nicht
für Empfänger anderer Jurisdiktionen, insbesondere nicht für US-Bürger
bestimmt und darf in anderen Ländern nicht verbreitet werden. Frühere
Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher
Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Die in diesem Dokument gegebenen Informationen beruhen auf externen
Quellen, die wir für zuverlässig halten, jedoch keiner neutralen Prüfung unterzogen haben; wir übernehmen keine Gewähr und keine
Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit derartiger Informationen.
Die in diesem Dokument vertretenen Meinungen stellen ausschließlich
die Auffassungen der tonn fondsbrokerage ag dar und können sich
jederzeit ändern; solche Meinungsänderungen müssen nicht publiziert
werden.
Lesen Sie diese und ältere Ausgaben der "Quo Vadis Märkte" in unserem Archiv.
Der Bericht wurde am 22.03.2010 fertiggestellt. Die Ausführungen stellen die Einschätzung der tonn fondsbrokerage ag zu verschiedenen Bereichen des Kapitalmarktes dar. Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernehmen wir nicht. |