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27.01.2012
Fed will bis Ende 2014 an Minizins festhalten

Die US-Wirtschaft kann sich für längere Zeit auf Nachschub mit billigem Geld einstellen.

Die US-Notenbank Federal Reserve verspricht für zwei Jahre einen niedrigen Leitzins - und nennt erstmals ein Inflationsziel. von Wolfgang Proissl und André Kühnlenz Frankfurt

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will an ihrer Nullzinspolitik bis mindestens Ende 2014 festhalten. Die amerikanischen Währungshüter teilten am Mittwochabend nach der Sitzung des entscheidenden Offenmarktausschusses mit, sie würden den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent belassen. In der Mitteilung zum Beschluss hieß es zudem, angesichts der schwierigen Konjunkturlage sei vor Ende 2014 nicht mit einer Zinserhöhung zu rechnen.
Mit ihrem Beschluss geht die Fed deutlich über das hinaus, was sie bislang zur Dauer des Nullzinses gesagt hatte und was die Finanzmärkte erwartet hatten. Vergangenen September hatten sich die Fed und ihr Vorsitzender Ben Bernanke darauf festgelegt, den Leitzins bis Mitte 2013 auf dem aktuellen Tiefstwert zu belassen.
In der Mitteilung begründet die Fed die fortgesetzte äußerst lockere Geldpolitik mit der weiterhin schwachen Konjunktur sowie der hohen Arbeitslosigkeit. "Der Ausschuss erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen gemäßigt sein wird und die Arbeitslosenquote nur schrittweise auf eine Höhe zurückgeführt werden kann, die der Ausschuss als übereinstimmend mit seinem Mandat einschätzt", heißt es.

Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Fed nicht nur auf Preisstabilität verpflichtet, sondern auch auf ein hohes Beschäftigungsniveau. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA derzeit bei 8,5 Prozent.

Erstmals in ihrer fast 100-jährigen Geschichte legte die US-Notenbank ein Inflationsziel von 2,0 Prozent fest. "Solche Klarheit erleichtert es Haushalten, Entscheidungen auf einer guten Informationsbasis zu treffen, und sie reduziert wirtschaftliche und finanzielle Unsicherheiten", erklärte Bernanke den Kurswechsel. Dadurch steige auch die Wirksamkeit der Geldpolitik. Auch die EZB verfolgt ein Inflationsziel von knapp 2,0 Prozent.

Die Fed verzichtete darauf, einen genauen Zielwert bei der Arbeitslosenquote festzulegen. Zur Erklärung verwies Bernanke darauf, dass die Notenbank die Arbeitslosenrate anders als die Inflationsrate durch geldpolitische Entscheidungen nicht direkt beeinflussen könne.

Deshalb legte die Fed lediglich eine Bandbreite von 5,2 Prozent bis 6,0 Prozent als die langfristige natürliche Arbeitslosenrate fest, die der Fed bei ihren Beschlüssen als Orientierungspunkt dienen soll. Die Fed hat sich zur Veröffentlichung dieser Daten entschieden, um wiederholte Vorwürfe zu kontern, die Notenbank sei zu intransparent.

Der Euro machte im Vergleich zum Dollar nach der Fed-Entscheidung seine zwischenzeitlich deutlichen Tagesverluste wieder wett und stieg kurzzeitig auf 1,3101 Dollar, nachdem er bis auf 1,2931 Dollar gerutscht war. Die Aussicht darauf, dass die US-Zinsen länger auf ihrem historischem Tief bleiben, als viele erwartet haben, setzt der US-Währung zu, weil dies die Attraktivität von Dollar-Wertpapieren verringert. So fiel auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nach der Fed-Entscheidung mit einem Schlag um zehn Basispunkte auf 1,96 Prozent. In Europa waren die Aktien- und Anleihenmärkte bereits geschlossen. An den US-Börsen fiel die Reaktion verhalten aus.

Financial Times Deutschland vom 25.1.2012