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29.11.2011

Stuft S&P Frankreich doch herab?

Vor drei Wochen verschreckte S&P mit einer Notiz über ein Herabstufung Frankreichs die Märkte. „Ein Irrtum“, hieß es damals. Doch schon bald könnte die Agentur Ernst machen, berichtet eine französische Zeitung. 

DüsseldorfDie Ratingagentur Standard & Poor's könnte einem Zeitungsbericht zufolge bereits in den kommenden zehn Tagen den Ausblick für Frankreichs Spitzenbonität auf negativ senken und damit eine gefürchtete Herabstufung des Landes androhen. S&P hätte dies bereits am vergangenen Freitag mitteilen wollen, die Ankündigung dann aber aus unbekannten Gründen verschoben, berichtete die französische Zeitung „La Tribune“ am Dienstag auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Diplomaten. S&P wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Der Euro büßte kurzzeitig an Wert ein. Der Bericht erhöht den Druck auf die Finanzminister der Euro-Zone, bei ihrem Treffen am Abend entschiedene Schritte zur Eindämmung der Schuldenkrise zu unternehmen.

Derzeit hat S&P das französische „AAA“ noch mit einem stabilen Ausblick versehen und signalisiert damit, dass in naher Zukunft eine Herabstufung nicht zu erwarten ist. Allerdings gibt es an den Finanzmärkten Zweifel an der Fähigkeit der Regierung in Paris, die Schulden in den Griff zu bekommen. S&P hatte Frankreich Anfang November versehentlich herabgestuft und wenig später den Irrtum mit einer Computerpanne begründet. Dies löste unter französischen Politikern einen Sturm der Entrüstung aus - so wurden etwa Rufe nach einer Entschädigungszahlung laut. Präsident Nicolas Sarkozy hat versprochen, mit allen Mitteln die Top-Note zu verteidigen.

Französische Staatsanleihen verbuchten zuletzt herbe Wertverluste. In Folge des Zeitungsberichtes nahmen die Risikoaufschläge auf die Papiere im Vergleich zu den als noch sicherer geltenden deutschen Anleihen am Dienstag weiter zu. Die beiden S&P-Konkurrenten Fitch und Moody's haben Frankreich bereits gewarnt, dass es sein „AAA“-Rating im Sog der Schuldenkrise verlieren könnte.

Die Rating-Agentur Moody's gab zu allem Überfluss bekannt, möglicherweise die nachrangigen Schulden von 87 Banken aus 15 europäischen Staaten herabzustufen. Grund hierfür sei die Befürchtung, dass die Regierungen im Falle einer finanziellen Schieflage der Institute möglicherweise zu knapp bei Kasse seien, um für nachrangige Gläubiger aufzukommen, erklärte die Agentur. Betroffen von der Überprüfung sind neben zahlreichen französischen Instituten auch viele Banken in Spanien, Italien und Österreich, jedoch kein deutsches Institut. Möglicherweise dürften die nachrangigen Papiere der betroffenen Geldhäuser um durchschnittlich zwei Stufen abgewertet werden, erläuterte Moody's. Im Insolvenzfall sind nachrangige Schulden anderen Schuldenpapieren untergeordnet. Sie sind deshalb eine risikoreichere Anlageklasse.

Quelle: Handelsblatt vom 29.11.2011