"Quo Vadis Märkte"
Dezember 2011
Liebe Leserin, lieber Leser,
mit diesen Zeilen stellen wir Ihnen unsere Prognosen und Meinungen für die von uns beobachteten Finanzmärkte zum Jahresanfang 2012 vor.
Aufgrund der weiterhin sehr angespannten Lage an den internationalen Finanzplätzen beschränkt sich dieser Ausblick zunächst bis zur Jahresmitte 2012.
Das "Quo Vadis Märkte" erscheint, je nach Marktlage, in etwa drei bis fünf Ausgaben pro Jahr.
Viel Vergnügen und Inspiration bei den nachfolgenden Themen
Kommentar zur aktuellen Lage an den internationalen Kapitalmärkten:
Wer rettet uns, wenn Europa nicht mehr zu retten ist?
Auf dem EU-Gipfel im Dezember wurde nun beschlossen, durch massive Sparbemühungen die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und die ausufernden Staatsfinanzen auf eine solide Basis zu stellen. EU-zentralisierte Kontrollen sollen darüber wachen und ggf. Strafen bei Missachtung aussprechen. Eine gemeinsame Währung funktioniert nur mit einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik.
Genau diese Sparbemühungen lassen das Bruttoinlandsprodukt jedoch weiter einbrechen. Somit verringert sich das Steueraufkommen, wodurch die Zinsbelastung einen noch größeren Anteil am Staatshaushalt ausmacht. Also fordern die Kreditgeber noch drastischere Sparmaßnahmen, was den Abwärtsstrudel weiter verstärkt.
Könnte das betreffende Land jetzt seine Währung abwerten, würde es sich aus diesem Sog wieder herausarbeiten können. Im Euro-Raum ist dies jedoch nicht möglich.
Banken finanzieren Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen. Verlieren diese Staatsanleihen nun an Wert, müssen die Banken das durch Risikovorsorge (Wertberichtigungen) in ihren Bilanzen berücksichtigen. Darauf waren die Banken weltweit nicht vorbereitet. Voila, neben den Staaten hat nun auch der gesamte Bankensektor ein Problem
Würde eine Bank daran "pleite gehen", wäre das Vertrauen in den Bankensektor dahin und die Menschen würden ihr Geld von den Sparkonten abheben, was das Problem weiter vergrößern würde. Auch Pensionsfonds und Versicherungen sind von diesen Ereignissen in vollem Umfang betroffen.
Inzwischen halten wir die geschilderte Schuldenproblematik in Europa für so umfangreich, dass eine substanzielle Hilfe über einen Rettungsschirm, der hauptsächlich von Frankreich und Deutschland zu schultern ist, die finanzielle Tragfähigkeit dieser beiden Länder überschreitet.
Danach gibt es also nur eine einzige Möglichkeit, Europa einen Spielraum zu verschaffen. Die Europäische Zentralbank muss weiterhin unautorisiert Liquidität zur Verfügung stellen
Allerdings verschafft diese Maßnahme den politischen Gremien lediglich Zeit, Zeit um massive Ungleichgewichte, pervertierte Entwicklungen und teilweise unglaublich entartete Zustände wieder in ihre Balance zu bringen.
Der Maßnahmenkatalog wäre dabei durchaus umfangreich: Ausgaben kürzen, Selektive Investitionsanreize, Steuern erhöhen, Neue Steuern erfinden, Besitzstände angreifen, Strukturreformen im Steuersystem, Strukturreformen im Gesundheitssystem, Strukturreformen im Rentensystem, uvm.
Nicht der Beschluss von Maßnahmen durch die Politik ist der Schlüssel. Hier sind keine kosmetischen Korrekturen gefragt, sondern langfristig stabilisierende Umsetzungen mit allen Euro-Nationen. Diese Anpassungen werden nicht ohne Schmerzen durchsetzbar sein. Die Finanzierbarkeit eines Sozialstaates muss an den demografischen Realitäten und den aktuellen Möglichkeiten der globalen Wirtschaft ausgerichtet werden.
Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion zum Ende kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.
Die Zeit des Versorgungsstaates, der Gleichmacherei und der Kuschelecken ist vorbei - und diese Erkenntnis ist wirklich "alternativlos". Medikamente ohne Nebenwirkung gibt es nicht, schon gar nicht auf der Intensivstation.
Ach ja, wenn wir Europa gerettet haben, tritt das Schuldenproblem der USA in den Focus der Märkte. Und dort fehlt bisher sogar die Erkenntnis, dass man überhaupt ein Schuldenproblem hat.
....Fazit:
Das wirkliche Übel in dieser Krise ist, dass die Politik sie lösen muss.
Für den eiligen Leser:
Unsere Erwartungsspanne für einzelne Eckdaten bis zur Jahresmitte 2012:
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Tiefstkurs |
Höchstkurs |
|
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Euro zu Dollar |
1,30 |
1,60 |
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Gold in US-Dollar |
1.500 |
2.100 |
|
Gold in Euro |
1.150 |
1.500 |
|
Ölpreis in US-Dollar |
85 |
130 |
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DAX |
4.300 |
6.500 |
|
10-j. Bund-Rendite |
1,80 % |
3,00 % |
In unseren Annahmen gehen wir für den Prognosezeitraum nicht von einem systemischen Kollaps aus. Allerdings erkennen wir, besonders im letzten Quartal des Jahres 2011, deutliche Risse in der Homogenität der Krisenbekämpfung durch die Weltgemeinschaft, was das Prognoserisiko stark erhöht.
Die Märkte im einzelnen:
Prognose/Meinung Währungen:
Die großen Währungen weltweit befinden sich weiterhin in einem offenen Abwertungskampf miteinander. Amerikaner, Japaner, Europäer - alle möchten ihre Wirtschaft über günstige Wechselkurse ankurbeln. Das Wort "Wirtschaftskrieg" ist hier durchaus passend.
So düster die langfristigen Aussichten für den US-Dollar auch sein mögen, aktuell wird ihm ein weiteres Mal Vollstreckungsschutz gewährt.
Fazit:
Wir "sichern" den Euro mit Edelmetallen, nicht mit anderen Währungen.
Prognose/Meinung Rentenmärkte:
Die Entwicklung der Renditen hängt seit Mitte 2011 weitestgehend von dem Verhalten der Ratingagenturen und der Notenbanken ab. Steigende Zinsen sind reines Gift für alle Staatshaushalte, besonders die der bereits schwer angeschlagenen Problemländer. Der Vertrauensverlust und die niedrigen Zinsen sprechen auch weiter gegen ein Engagement in diesem Sektor.
Mit Interesse verfolgen wir aktuell den Aufbau eines internationalen Rentenhandels mit festverzinslichen Wertpapieren lautend auf chinesische Yuan. Mittlerweile ist der Yuan gegen neun Währungen direkt handelbar. Bei den Aufwertungserwartungen gegenüber der chinesischen Währung könnte sich hier ein interessanter Nischenmarkt etablieren.
Fazit:
Dieses Marktsegment bleibt für uns weiterhin zu unattraktiv und mit unvorhersehbaren Risiken verbunden.
Prognose/Meinung Aktienmarkt Europa:
"Aus Anlegersicht sollten qualitativ hochwertige Aktien deutlich mehr Interesse wecken, als Staatsanleihen mit einer geringen Rendite und einem gestiegenen Risiko. Die Sorgen um den Fortbestand des Euros und die hohen Defizite in vielen europäischen Staaten haben die Aktien jedoch auf eine heftige Talfahrt geschickt. Besonders die Sorge um die großen europäischen Bankwerte haben die Talfahrt eingeleitet und dann beschleunigt."
Unsere Marktmeinung aus der letzten Ausgabe des Quo Vadis übernehmen wir ohne Veränderung.
Bei Staatsanleihen der Euro-Staaten hält China sich zurück - dafür will das Land über Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar massiv in europäische Firmen investieren. Diese Investitionen könnten für deutlich mehr als nur ein paar freundliche Börsentage sorgen.
Fazit:
Deutschland ist für uns innerhalb Europas weiterhin mit Abstand der interessanteste Markt. Da wir uns jedoch aktuell nicht gegen den Markttrend stellen wollen, sehen wir dieses Marktsegment derzeit zunächst nur als Halteposition.
Prognose/Meinung Aktienmarkt USA:
Präsident Obama sagt seinen Landsleuten im Dezember eine harte und lange wirtschaftliche Durststrecke voraus. Solche Worte zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes zeigen den Ernst der Lage.
Fazit:
Wir bleiben bei unserer Meinung, dass es derzeit interessantere und ungefährlichere Märkte gibt.
Prognose/Meinung Aktienmarkt Japan:
Die Erdbebenkatastrophe, die Atom-Störfälle und die enorme Staatsverschuldung haben das Land in eine Situation gebracht, die wir auch zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich noch nicht beurteilen können.
Prognose/Meinung Aktienmarkt Asien - China - Indien:
Auch Chinesen können sich mit dem Gier-Virus anstecken. Die Preise am chinesischen Wohnungsmarkt sind in den letzten Jahren rasant gestiegen. Allein von 2005 bis 2009 haben sich die Preise verdreifacht. Danach ging es sogar jährlich im Schnitt um bis zu 40% aufwärts. Mit der Hoffnung auf weiter steigende Immobilienpreise haben sich viele Chinesen in den letzten 2-3 Jahren Wohnungen zugelegt, deren Kaufpreis weit über ihre Verhältnisse ging. Diese ungesunde Situation bereinigt sich nun. Die Wohnungspreise fallen, Kredite platzen und auch die chinesischen Investoren lernen die Regeln des freien Marktes kennen. Dieser Prozess wird nach unserer Einschätzung das ganze Jahr 2012 anhalten und das Wachstum der Binnenkonjunktur verlangsamen. Durch die staatliche Regulierung halten wir den Wachstumsdämpfer jedoch für zeitlich sehr begrenzt. Andererseits wird sich eine Pause im chinesischen Wachstum selbstverständlich auch auf die Wirtschaft der chinesischen Nachbarn auswirken.
Fazit:
China und/oder Indien bleibt ein Bestandteil unserer Anlagestruktur. Aufstockungen werden wir jedoch nur in Marktschwäche vornehmen.
Prognose/Meinung Aktienmarkt Russland:
Die russische Staatsverschuldung ist mit unter 20 % des BIP hervorragend und das Land besitzt Unmengen an Rohstoffen. Die in Russland stattfindenden Demonstrationen (wegen Wahlfälschung) werden die Reformagenda 2012 deutlich verstärken und sich auf politische, wirtschaftliche und strukturelle Liberalisierungsvorhaben beziehen.
Ein deutlicher Unterschied zu der Situation in den letzten Jahren ist die Tatsache, dass Putin als Präsident nun deutlicher das Heft in die Hand nehmen wird und besonders die wirtschaftliche Entwicklung zur "Chefsache" erklären wird
An der Börse werden die Aktienanleger die starke Binnenkonjunktur und einen viel versprechenden Mix aus Wachstum, Bewertungsniveau und Inflation nicht lange ignorieren können. Wir rechnen in 2012 wieder mit einem kräftigen Zufluss von ausländischem Kapital an die Moskauer Börse.
Fazit:
Der Aktienmarkt bleibt eine hochinteressante Beimischung für jedes gewinnorientierte Portfolio. Besonders die Öl-/Gaskomponente ist hier vielversprechend.
Prognose/Meinung Aktienmarkt Brasilien:
Die Binnenkonjunktur in den wichtigsten südamerikanischen Regionen entwickelt sich weiter robust. Für einige wichtige Konsumgüter wurde die Steuer abgeschafft. Der wesentliche Wirtschaftsfaktor in Südamerika ist jedoch immer noch der Export von Rohstoffen. Ausgesprochen positiv sollte sich die Abschaffung der Transaktionssteuer für den brasilianischen Aktienmarkt auswirken (für den Rentenhandel bleibt die Steuer bestehen), besonders Finanztitel sollten davon profitieren.
Fazit:
Das Segment Südamerika/Brasilien ist eine gute Portfoliobeimischung unter mittel- und langfristigen Anlageaspekten. Käufe an schwachen Tagen.
Prognose/Meinung Aktienmarkt sonstige Schwellenländer:
Die Aktienmärkte der sogenannten Schwellenländer bleiben für uns mit die interessantesten Marktsegmente in den kommenden Jahren. Hohe Ertragserwartungen implizieren aber auch hohe Risiken.
Fazit:
Interesssante Beimischung, Käufe an schwachen Tagen.
Prognose/Meinung Rohstoffe:
Bislang galten Rohstoffe als effiziente Absicherung gegen Inflation. Jüngste Kurskorrekturen an den Rohstoffmärkten werfen jedoch die Frage auf, ob Rohstoffe diesen Schutz wirklich noch bieten. Eines vorweg: Solange das Wachstum der Schwellenländer beständig bleibt und in den Industrienationen weiterhin eine unorthodoxe Geldpolitik betrieben wird, sind einige Rohstoffe ein wirkungsvoller Schutz gegen die Effekte der Inflation. Um den Lebensstandard für fast die Hälfte der Weltbevölkerung zu verbessern, sind enorme Investitionen in die Infrastruktur notwendig und der steigende Energiehunger muss parallel gestillt werden.
Der langfristige Wert des US-Dollars und seine Funktion als Reservewährung der Welt leiden unter der wachsenden Verschuldung Amerikas. Ein anhaltender Wertverlust des Dollar bedeutet, da Rohstoffe meist in Dollar notiert werden, einen anhaltenden Preisanstieg bei Kupfer, Kohle, Agrarprodukten usw.
Fazit:
An dem Marktsegment Rohstoffe kommt kein langfristig orientierter Anleger mit entsprechender Risikostruktur vorbei. Inflationsängste werden in den kommenden Monaten die Rohstoffe stark preistreibend beeinflussen.
Prognose/Meinung Edelmetalle (Minen, physisch):
"Was wir derzeit in ganz Europa erleben, ist nichts als Wahnsinn.
Die Politik ist nur noch dabei, das Chaos zu verwalten und zu versuchen,
die nächsten Tage zu überstehen. Eine Idee, wie es tatsächlich weitergehen
kann, hat niemand mehr."
(Dirk Müller, Aktienhändler und bekannt als Mr. Dax)
Neben der Staatsdefizitkrise der Industrienationen ist die Orientierung der Zentralbanken der Schwellenländer bei der Diversifikation der Währungsreserven zu Gunsten der Anlage in Gold ein Hauptargument für das Edelmetall. Die Schwellenländer stehen für 50 % der Weltwirtschaft und der starke Ausbau des Goldanteils ihrer Währungsreserven ist als dauerhafte Allokation gedacht. Den Notenbanken werden die institutionellen Anleger weltweit folgen. Steigende Edelmetallpreise sind daher nicht eine Frage des "ob" sondern nur eine Frage des "wann"
Minenaktien sind absurd niedrig bewertet. Bei den großen Minengesellschaften aus dem Gold Bugs Index liegt das geschätzte KGV für 2011 bei 14, für 2012 bei 12. Dies ist im Vergleich zur eigenen Historie (durchschnittliches KGV 2000-2010 33) aber auch in Relation zu vielen anderen Bereichen extrem günstig. Die Übernahmetätigkeit wird sich bei den Goldminenwerten weiter beschleunigen, was die Aktienkurse stark antreiben sollte. Wir erwarten, dass die Minenaktien den Abstand zum physischen Gold sehr bald aufholen werden.
Fazit:
Edelmetallminenfonds bleiben unser zentrales Basisinvestment. Nach unserer Einschätzung schlummert in diesem Bereich in den kommenden Jahren weiterhin das größte Wachstumspotential. Sollten die Probleme innerhalb des weltweiten Währungssystems noch anwachsen, werden wir unsere Preis- und Ertragserwartungen deutlich nach oben anpassen.
Ihr Michael Funke
Der Bericht wurde am 23. Dezember 2011 fertiggestellt.
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